Freitag, 20. September 2013

Die Weinernte in der Toskana - la vendemia in Toskana

 Die Weinernte in der Toskana/ la vendemmia in Toscana hat begonnen! Welch Sinnesfreude/ che piacere sensoriale, zumindest für eine romantisch angehauchte Deutsche.  


Es sind um die 26/27° hier, blauer Himmel, Schäfchenwolken, strahlende Sonne... und was gibt es Schöneres als sich mit dem Thema Wein zu beschäftigen. So ausgiebig wie in diesem Jahr habe ich mich noch nie damit beschäftigt. Zwar können meine Gäste eine fantastische Weinprobe in der Toskana/ degustazione del vino bei Kerstin und Alessandro mit machen und ich habe vor Zeiten einen Sommelierkurs belegt, aber in diesem Jahr heißt es zum 1. Mal meinen eigenen Wein zu machen. Was für eine Freude/ Che gioia!


Zunächst statte ich aber mit meinen Ferienwohnungsgästen Fausto und Luca auf ihrem Weinberg einen Besuch ab, auch sonst Pizzabäcker Roberto ist dabei. Wobei ich vermerken muss, dass meine Kinder und Gäste fleißiger sind als ich.
Erst schimpfen sie mächtig, als ich sie von ihren Freunden weg und zur Weinernte hin ziehe. Bald sind sie jedoch mit Feuereifer dabei und meine Neugierde/ la mia curiositá ist riesengroß. Unglaublich aber ich war in all den Jahren, die ich hier lebe, noch nie bei der Weinernte in der Toskana dabei.


Ich bekomme keine Gartenschere mehr ab und begnüge mich mit Fotos machen und damit, den Ausblick auf mein Dorf zu bewundern. Der von ihnen gepachtete Weinberg liegt genau in schönster Sonnenlage mit Meerblick darüber und deshalb ist der Wein von diesen toskanischen Hügeln wohl auch so goldgelb und hochprozentig, er hat 15°.

Heute wird Merlot geerntet. Alle Gäste helfen fleißig mit, Luca und Roberto sammeln die großen Bottiche ein, verladen sie auf den Anhänger und fahren sie zum Weingut.


Luca und Roberto, ob Pizzabäcker in der Toskana oder beim Weinernten in der Toskana, immer nett und freundlich und mit Spaß bei der Sache...








Dort werden die Trauben mit der Maschine entstielt und in die Stahltanks verteilt.
Ganz so schnell geht das bei uns nicht. Ich bin doch seit diesem Jahr stolze Besitzerin von 10 Weinreben. Eine Tatsache, die alle zum Schmunzeln verleitet, denen ich berichte, dass ich nun meinen eigenen Wein damit machen möchte. Doch dieses fantastische Experiment lasse ich mir auf keinen Fall entgehen.


Und siehe da, von dem einen jahrzehnte alten großen Weinstock und seinen „Kindern“ werden wir immerhin reichlich belohnt. Er ist unter dem Castello von Lari mit Sonne von allen Seiten und einer frischen Meeresprise gewachsen und er muss einfach ein Supertuscan werden. Mit ein bißchen Pech wird es toskanischer Weinessig und mit etwas Glück ein guter Hauswein. Für mich, wie alle Weinhersteller, wird es natürlich der beste Wein überhaupt werden, denn es ist der eigenen Wein.
Eigentlich hatte ich mir Weinherstellung ziemlich kompliziert vorgestellt, aber hier ist zumindest der 1. Kurs in der eigenen Herstellung von toskanischem Wein (nur der 1. Kurs denn weiter bin ich heute nicht gekommen, Fortsetzung folgt).


Da ist er, der Schnitt der 1. Weintraube. Die ganze Familie hilft dann mit bei der Ernte, die eine ganze Stunde dauert.





Dann bringen wir die Kästen zu Fausto und Luca in die Cantina/ in den Weinkeller.


Da die Menge zu klein ist, um die Maschine dafür anzuwerfen, ist pure Handarbeit angesagt. Die Trauben müssen von den Stielen getrennt werden. Kommentar meines Kleinsten, ganz in die Arbeit vertieft: „È molto meglio che giocare con i giocattoli.“/ „Das ist ja viel besser als mit Spielzeug zu spielen.“


Dann kommt der größte Spaß, den das Unterbewußtsein spätestens seit Celentanos „Der gezähmte Widerspenstige“/ Il bisbetico domato herbei sehnt: Einmal mit den Füßen Weintrauben zerstampfen/ pigiare l`uva con i piedi !!! Klar, wir haben uns mal lieber die Füße vorher gewaschen auch wenn die Bauern/ i contadini da wohl früher mit ihren Feldfüssen rein gestiegen sind. Ich zweifle natürlich, dass ich auch zum Zuge bzw. zum Stampfen komme, denn die Bottiche sind klein. Die Kinder machen das wunderbar und mit sichtlicher Freude.





Und für mich gibt es auch die passende Lösung, einfach 2 Bottiche nehmen. Was für ein Spaß/ che divertimento und wie herrlich das klebt!




Anschließend müssen die Trauben noch per Hand ausgepreßt werden. Das ist ziemlich anstrengend.



Der Lohn sind circa 25 Liter Traubenmost, der nun mit Hefe in einem großen Glasballon zum Gähren angesetzt wird. Oben drauf kommt ein bollitore, hm übersetzt vielleicht Gärdeckel? Er sorgt dafür, dass keine Luft an den Most aber Luft aus dem Glasballon raus kommt.



In den nächsten Tagen wird der Wein also fermentieren und später folgt die Fortsetzungsgeschichte zum Thema "Wein selbst machen in der Toskana", denn mehr weiß ich dazu im Moment nicht, learning by doing. Die Hauptfrage, wann denn der Wein nun fertig sei zum Trinken bekomme ich aber schon von Luca beantwortet... in etwa Anfang Februar. Hm, noch ganz schön lang/ ancora un bel`po`...

Wenn es doch schon so weit wäre, dass ich das Knallen des Korkens, das Gläserklirren beim Anstoßen hören und laut „salute“/ auf die Gesundheit rufen könnte!
Nun, dann wird also noch reichlich Wasser den Arno hinunter fließen und werde mir die Zeit mit Feigen sammeln, Marmelade kochen, Kastanien rösten, Oliven ernten und Vielem mehr vertreiben... ich werde berichten...

Herzlichste Herbstgrüße aus der sonnigen Toskana,
Kristina
  

Weinlese in der Toskana: Übrigens könnt ihr jederzeit bei der Weinernte mithelfen!!!

Ein großes Dankeschön auch an die fleißgen Gäste Elisabeth, Reinhard, Tati und Sven in diesem Jahr!!!

1 Kommentar:

  1. Zünftig, Kristina! Wir warten auf neuen überraschenden Berichten...

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